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Menschen und Hunde - eine einzigartige artübergreifende Beziehung!

Viele Ähnlichkeiten im Sozial- und Ausdrucksverhalten und eine ganz besondere gegenseitige Anziehungskraft führten dazu, dass sich Menschen und Hunde über tausende von Jahren gemeinsam entwickelten.

Hunde sind intelligente, hochsoziale Lebewesen. Sie haben Gefühle und empfinden Empathie. Dem sollten wir Rechnung tragen in unserem Umgang mit ihnen!

Hunde waren stets Begleiter und Arbeitstiere der Menschen, bei uns sind sie heute überwiegend Sozialpartner und Familienmitglied – eine nicht minder anspruchsvolle Aufgabe!

 

 

Leider kommt es in dieser Beziehung immer wieder zu Problemen…

Gerade weil sie sich so gut anpassen und wir uns ihnen so verbunden fühlen, neigen wir dazu, zu vermenschlichen. Trotz aller Gemeinsamkeiten, dürfen wir aber nicht vergessen, dass Hunde immer noch Hunde sind. Sie haben ihre ganz eigenen Bedürfnisse und ihre eigene Sicht auf die Welt. Alles andere führt zu Missverständnissen, Fehlreaktionen und Enttäuschungen und wird dem Wesen der Hunde nicht gerecht!

Hunde sind Meister darin, uns zu beobachten und sich anzupassen, aber sie haben auch ihre Grenzen.

Es sollte daher selbstverständlich sein, sich mit den biologischen Ansprüchen der Hunde und auch mit den rassespezifischen Besonderheiten auseinanderzusetzen, um ihnen ein möglichst artgerechtes Leben bieten zu können und sie an das Leben in unserer sozialen Gemeinschaft anzupassen.

Auch ihre Art zu kommunizieren, das Ausdrucksverhalten der Hunde, sollten wir verstehen und ihm gerecht werden.

 

 

Die Kommunikation

Leider kommt es hier immer wieder zu Missverständnissen.

Zum einen drückt sich der Mensch oft unklar oder widersprüchlich aus, der Hund reagiert daher nicht wie vom Menschen erwartet. Der Mensch ist dem zu Folge verärgert und der Hund verunsichert.

Zum anderen wird die feine Kommunikation des Hundes oft übersehen oder sein Ausdrucksverhalten falsch gedeutet. Der Mensch reagiert daher für die Situation völlig unangemessen, was ebenenfalls zu einer Verunsicherung des Hundes führt.

Das gegenseitige Verstehen ist aber die Grundlage für eine gute Beziehung!

Hunde kommunizieren analog, also über Mimik, Gestik, Pantomimik, Stimmmodulation, Distanz und Nähe, Berührungen, Blickkontakt,...

Für die richtige Deutung sind stets die Gesamtheit der Merkmale und der situative Kontext zu betrachten.

Es ist wichtig, Hunde, und ganz besonders den eigenen Hund, gut "lesen" zu können, um ihre Intentionen richtig zu deuten und dementsprechend richtig reagieren zu können.

Auch wir Menschen kommunizieren analog, sind uns dessen aber immer weniger bewusst, weil unsere Wortsprache für uns vorrangig ist - meinen wir zumindest.

Der Hund versteht den Inhalt unserer Worte nicht. Er achtet auf den Klang des Wortes und vor allem auf unsere Körpersprache.

Oft steht die menschliche Körpersprache aber im Widerspruch zur verbalen Äußerung. Reagiert der Hund richtig auf die Körpersprache, wird dies vom Menschen dann als Ungehorsam gewertet.

Da wird der Hund zum Beispiel mit Worten wie " Lass das!" getadelt, aber eigentlich findet man sein Verhalten ja doch irgendwie drollig oder man glaubt sowieso nicht daran, dass man etwas bewirkt. Beides drückt sich in unserer Körpersprache aus.

Oder der Mensch steht angespannt und frontal da und versucht, seinen Hund heranzurufen. Die Körperhaltung drückt hier eher aus " Bleib weg!".

Auch ein verbales Lob oder die Gabe von Leckerlis als Belohnung wirken merkwürdig, wenn die Freude über die Leistung des Hundes im Ausdruck und im Tonfall des Menschen fehlt.

Je mehr der Mensch ganz intuitiv seine Körpersprache zulässt, desto einfacher ist es für den Hund zu verstehen, was er von ihm will.

 

 

Das Zusammenleben in der Familie und in der Gesellschaft     

Hunde und Menschen leben als soziale Gruppe zusammen. Zwischen Ihnen gibt es zwar keine Rangordnung wie unter Hunden, wohl aber soziale Strukturen und Abhängigkeiten.

Hunde brauchen geklärte Verhältnisse und ihren festen Platz im Sozialverband, mit Demokratie und Gleichberechtigung können sie nichts anfangen.

Mangelnder Führungsanspruch des Menschen führt dazu, dass der Hund ihn nicht ernst nimmt und ihm auch nicht zu traut, die Dinge im Griff zu haben.

Hunde erkennen unsere Schwächen schnell und nutzen diese für sich. Dabei stellt einen der eine Hund mehr, der andere weniger in Frage.

Versucht man jedoch ständig, es dem Hund recht zu machen, steht er ständig im Mittelpunkt, ist es klar, dass dieser sich für sehr wichtig hält und seine soziale Position sehr hoch bewertet. Demzufolge macht er, was er für richtig hält, befolgt Kommandos nur nach Lust und Laune oder glaubt selbst, die Rolle des Anführers übernehmen zu müssen.

Dies führt unweigerlich zu Problemen und auch der Hund ist mit dieser Aufgabe maßlos überfordert.

Klare Strukturen hingegen vermitteln dem Hund Ruhe und Sicherheit. Er weiß wo sein Platz ist und was von ihm erwartet wird.

 

 

Die Erziehung

Erziehung bedeutet für mich nicht, Kadavergehorsam einzufordern und beschränkt sich auch nicht auf das bloße Erlernen von Kommandos wie Sitz oder Platz. Viel mehr geht es um die positive Entwicklung des Sozialverhaltens.

Der Hund muss lernen, welches Verhalten angemessen ist und akzeptiert wird in seiner Familie und in der Gesellschaft und welches nicht.

Hunde brauchen die richtungsweisende Führung durch den Menschen, der Regeln für das Zusammenleben aufstellt und klare und deutliche Grenzen setzt, wo es nötig ist, ähnlich, wie bei der Erziehung eines Kindes.

Daher findet Erziehung auch nicht nur 1x in der Woche auf dem Hundeplatz statt, sondern tagtäglich im Alltag.

Dabei reicht es nicht, positives Verhalten zu belohnen und negatives zu ignorieren. Wie das überall in der Natur auch der Fall ist, müssen falsche oder unerwünschte Verhaltensweisen logischerweise Konsequenzen haben. Nur so wird ein reibungsloses Zusammenleben möglich, ohne dass sich jemand belästigt fühlt oder der Hund sich oder andere gefährdet.

Grenzen müssen dem Hund so kommuniziert werden, dass er sie verstehen kann, ruhig und bestimmt über Körpersprache und Körperlichkeiten.

 

Oft wird viel zu lange zugesehen wie der Hund seinen Handlungsspielraum immer mehr ausreizt, bis dann auf einmal eine unverhältnismäßig heftige Unterbrechung seines Verhaltens erfolgt, weil dem Menschen irgendwann der Kragen platzt.

Aber was soll der Hund dabei lernen? Sicher nicht das Gewünschte, vielmehr, dass sein Mensch völlig unberechenbar ist und man ihm nicht trauen kann.  

 

Wichtig ist es auch, dem Hund zu helfen, zu erkennen, was stattdessen gewünscht ist und ihm eine Rückversicherung zu geben, dass man zwar dieses Verhalten nicht toleriert, trotzdem in der Beziehung alles in Ordnung ist.

 

Erziehung ist nicht immer schön, vielmehr kommt es immer wieder zu Konflikten. Hier gilt es diese anzunehmen und für sich zu entscheiden, anstatt sie zu umgehen. Nur so kann der Hund lernen, wie er sich in der Situation verhalten soll.

 

Und nur wo es klare Grenzen gibt, kann es auch klar definierte Freiräume geben.

 

Eine gute Erziehung ermöglicht dem Hund die größtmögliche Freiheit. Ein gut erzogener, sozialverträglicher Hund kann ohne Leine laufen und darf fast überall mit hin!

 

 

Die Orientierung am Menschen

 

Nicht jeder Mensch ist von Natur aus der geborene Anführer. Aber Führung kann man lernen.

 

Ein guter Anführer strahlt eine natürliche Autorität aus. Das drückt sich bereits in seiner aufrechten Körperhaltung und seinem erhobenen Kopf aus. Er ist authentisch, verstellt sich nicht.

 

Er weiß was er will und handelt danach. Er trifft klare Entscheidungen und steht dazu. Er glaubt an sich und bleibt auch ruhig und gelassen, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie geplant.

 

Er organisiert erfolgreich den Alltag und bewahrt seine Schützlinge vor Gefahren oder führt sie sicher hindurch. 

Er nimmt sie ernst, behandelt sie mit Respekt. Er ist fürsorglich, mitfühlend und bietet Unterstützung.

 

Ein guter Anführer vermittelt glaubwürdig das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

Er handelt ruhig und besonnen, auch in schwierigen Situationen. Man fühlt sich sicher und geborgen bei ihm und vertraut darauf, dass er die richtigen Entscheidungen trifft.

 

Auch Hunden ist das Gefühl von Sicherheit sehr wichtig, ganz intuitiv folgen sie daher einem solchen Menschen. Seine liebevolle Zuwendung, die Zugehörigkeit zu ihm, ist für ein soziales Lebewesen wie den Hund die wichtigste Belohnung.

 

Lautes Brüllen, Unterwerfung des Hundes mit Zwang und Gewalt oder das Buhlen um Aufmerksamkeit durch Leckerlis oder Spielzeug hat dieser daher gar nicht nötig.

 

 

Veränderung

 

Voraussetzung dafür, dass sich das Verhalten des Hundes ändert, ist, dass sich die eigene Einstellung und das eigene Verhalten ändern. Der innere Glaube und Wille können schon viel bewirken und über erste Erfolgserlebnisse wächst das Selbstvertrauen.

 

Vertraute eingefahrene Strukturen müssen zunächst aufgebrochen werden, damit der Hund Sie neu erleben kann. Er wird anfangen, Sie neu zu bewerten und sein Verhalten anzupassen.

 

Das Ganze ist eine Entwicklung, bei der ich Sie gerne unterstützend begleiten möchte.

 


 

"Soll sich der Hund in seinem Verhalten ändern, muss sich zunächst der Mensch verändern."

Erik Ziemen